Rinderwahn und Stier-Fieber
Vom Wind hochgepustete Lkw und Anhänger, durch die Luft wirbelnde Bäume,
Autobahn-Vollsperrungen in der Nacht – die Anreise zu den Buenos Dias de
Cartagena war wirklich alles andere als ein Zuckerschlecken. Das gab´s dafür
in Cartagena selbst: Auf bis zu 24 Grad schnellte das Thermometer, und die
Mundwinkel im gut gefüllten Fahrerlager wanderten gleich mit hoch. Wirklich
entspannt ging´s aber nicht rundum zu: Nach mehrmonatiger Winterpause
flutschte es bei manchen noch nicht so recht - wohl dem also, der es am
ersten Tag entspannt angehen liess. Da, wo es nicht gelang, gab´s auch mal
Bruch und ein Ticket ins Hospital – mit Rückfahrkarte wie bei Joachim
Plenkers, der nach einem Tag Pause wieder besser fahren als gehen konnte,
mit Heimflug hingegen bei Thomas Becker: Fußbruch. Beste Genesungswünsche an
dieser Stelle an alle Highsider-Patienten! Unruhe brachten aber auch die Sportbehörden in die Buenos Dias:

Bei wohltemperiertem Klima gab das einstundige Easy Endurance
den Start in die spanische Blue Toro-Endurance-Saison |
Das Sportamt
von Cartagena karrte am Dienstagmorgen 2.500 Schüler zu einer Art
Bundesjugendspiele ausgerechnet auf die Rennstrecke, was durch Ausschlafen
und mehr Fahrzeit am Montag und Mittwoch kompensiert werden konnte. Und
ausgerechnet am Donnerstag inspizierte der oberste Streckenabnahmekommissar
der FIM die Strecke, was zu einer verlängerten Mittagspause führte. Das war
im Prinzip schade, bedeutete aber keinen so fulminanten Verlust, denn sieben
20 Minuten-Turns am Tag war schon nicht jedermanns Kragenweite und gingen
auch unerhört an die Reifen. Bei manchen litten Metall und Kunststoff aber
noch viel mehr: vor der russischen Box wurde permanent an einem Crashbike operiert, eines nach dem anderen. Die Disziplin auf der Strecke war bei all
dem voll in Ordnung, dank der permanenten Zeitnahme, mit deren Hilfe die
Gruppen jeden Tag neu nach Zeiten sortiert wurden. Einige wenige fanden |
nur,
dass Jörg Teuchert auf der Bing Bang-R1 etwas sehr nah an ihnen
vorbeipfeilte. Doch der passt schon auf: Immerhin will er ja dieses Jahr
noch den IDM-SBK-Titel holen.
Die wirkliche Challenge der Buenos Dias lauerte aber bis zum letzten Tag, an
dem ein einstündiges Easy Endurance und der auf vier Stunden angesetzte 1.
Lauf 2009 zur Blue Toro Endurance anstanden. Doch ausgerechnet am Renntag
präsentierte sich die Strecke mit Null Sicht in dicken Nebelschwaden, so
dass es erst mit einer Stunde Verspätung losgehen konnte und das Blue Toro
Endurance auf 3 Stunden verkürzt werden musste. Nach einem Sturz des führenden dänischen Teams ging auch das Easy-Endurance
etwas früher zu Ende.
Die Dänen verloren so den sicheren Sieg in der Blue
Toro 3 an Burkard Hoppe und Eduard Korpatschew, die dem Team „Nasenbohrer“
Werner Pley und Dietmar Federau eine Runde aufdrückten. In der Toro 2
siegten Vater und Tochter Perrin auf R 6 vor Dirk Mattijat und Stefan Budde,
dicht gefolgt vom besten Boxerteam, dem „Team Rinderwahn 2“ von Kalle
Gillessen und Dieter Kray.
Das Team Rinderwahn 1 sorgte hingegen in der Blue Toro Endurance für Furore.
Im ersten Turn schon warf Thomas Wingendorf die Kuh weg, doch die Blessuren
an Kuh und Reiter waren geringfügig – zum Glück, denn Joerg Riedts Boxer
verweigerte später den Start, so dass beide als one-bike-Team weiterfahren
mussten. Allem Unbill zum Trotz gewannen sie die Toro 2, die Toro 1 ging
überraschend, aber vedient an das 900 SS-Team von Klaus Stascheidt und
Thomas Meyer. In der Toro 1 kam es endlich zum dänischen Sieg: Die
„Scandinavian All Stars“ mit dem |

Auf der Strecke ließ man sich schon viel Luft |
Norweger Ben Bjoernsen und den beiden Dänen
Ebbe und Kim Bo flogen Leonhard Neels und Hans Kettwig um vier Runden davon,
wobei diese eine Runde Vorsprung auf Dieter Löffler/Volker Tack hatten.
Keine halbe Minute später liefen auf Platz 4 Dirk Mattijat, Rainer Leck und
Burkhard Hoppe ein.

Siegerehrung der Toro 3 der Blue Toro Endurance. Oben auf dem Treppchen die
Scandinavian all Starts |
Dirk und Burkhard machten so mit beiden Rennen zusammengenommen die vier
Stunden voll, aber drei Stunden wurden gemeinhin als ausreichend
aufgenommen. Deswegen geht´s in Runde 2 der Blue Toro Endurance vom 23.-26.
März in Alcarras auch über 155 Minuten. Wer will, kann ja die eine Stunde in
der Easy Endurance dazurechnen- und -fahren. |
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Die Sieger der Toro 1 und Toro 2 teilen sich das Treppchen |
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