Bericht 4 h Endurance Oschersleben  19./20. April 2015


Es war nicht wirklich eine Überraschung, dass die Teilnehmer dem Alteisen Endurance heuer nicht die Bude einrannten – der Termin ausserhalb des Wochenendes so früh im Jahr liess dies schon früh ahnen. Das legte nah, Classic und SuperclassiX Endurance miteinander an den Start gehen zu lassen – doch die Skeptiker durften sich überraschen lassen: Beide Felder vertrugen sich hervorragend miteinander und gaben mit 30 Bikes ein respektables Starterfeld ab. Aber die wirkliche Überraschung war die, dass der Gesamtsieg an einen 18 Zoll-Klassiker ging: Wobker/Matthies auf der ACR-Rau-Kawasaki Z1000 nahmen dem bestplatzierten 17 Zoll-Team, „Keep the Faith“ mit Christian Gülzow und Jens Mozar auf ZXR 750, in vier Stunden zwei Runden ab – und das übrigens bei überraschend idealem Frühlingsklima.



Dabei war es nun wirklich nicht so, dass das ZXR-Team sich auf die faule Haut legen konnte – im Nacken hatten sie stets den heissen Atem der Kawakollegen Franz Tröster und Jörg Herold, die erst nach Rennhälfte in sicherer Distanz blieben. Beide Teams uhrwerktens ich bilderbuchmäßig über die Distanz, unbehelligt von der YZF des Hörnchens-Teams Godber Kraas/Jörg Pahle Kraas, die gleich zu Beginn ihren Piloten einen Strich durch die Rechnung machte, indem sie mehr verbrauchte als im Training und trocken liegenblieb. Auch die Mitfavoriten, Thomas Roge und Stephan Achilles, konnten die beiden Kawa-Teams nicht bedrohen: Thomas verbog die VTR 1000 gleich zu Rennbeginn.

Auch Wobker/Matthies konnten sich ein Nachlassen nicht leisten. Das belgische Red Fox Team musste sich erst einmal an den Oschersleben-Kurs gewöhnen und das just4fun-Team, Andreas Heller und Rainer Seidel auf Z1,

den Vortritt lassen. Doch als es erst einmal rund lief, liessen Kris Steenhaut und Devossan ihre 900 SS im feinsten Lucchinelli-Outfit ordentlich fliegen und machten Rang 3 im Gesamt und Platz in der Big ClassiX Open zementsicher., sieben Runden vor Heller/Seidel und noch um einiges mehr vor den ACR Guzzirennern, Gerhard Wellmann (auf BMW) und Arend Hegeler auf Guzzi.

Kaum aus den Augen verloren sich über die gesamte Distanz die Kontrahenten der TT Open. Andreas Trottenberg und Olaf Färber, Gesamtsieger des Vorjahres, hatten es sich besonders gut vorgenommen und eine richtig schickte FZ 750 an den Start gerollt. Doch die hielt nicht einmal bis Trainingsende, und Andreas musste auf eine Bandit 1200 umsteigen. Die ging auch ganz ordentlich – so ordentlich, dass Andreas und Olaf am Ende die Oberhand in ihrer Klasse behalten konnten, nachdem ihnen zu Rennbeginn sowohl Peter Meinhardt/Rainer Platt



auf ihrer Felgenfeuer-FZR als auch Kai Dühmke und Jürgen Mozar auf CBR 900 davongefahren waren. Doch mit bis auf den Stahlgürtel abgefahrenem Hinterreifen war es nichts mehr mit Rad-an Rad-Kämpfen für Dümke/Mozar, es blieb nur Rang 3 hinter Färber/Trottenberg und Meinhard/Platt – aber immer noch ein Top Ten Platz im Gesamt.

Das größte Feld stellte diesmal die Big ClassiX-- und hier war richtig Punch angesagt. Bernd Fohne hatte die HSM-Guzzi in der Startaufstellung vor die Paulsen-Kawa gestellt und kam auch erst einmal am schnellsten weg. – fast so schnell wie Achim Steinmacher, der gleich zu Beginn die Hajo-BMW vor bis auf Platz 3 drosch, aber dabei so viel Vortrieb vom Boxer einforderte, dass der nach 3 Runden komisch klang und Achim an die Box zwang, so dass HJ Deiss nicht mal zum Rennen in den Höcker kam. Nachhaltiger gingen da die Paulsens zu Werke: Immer wieder robbte sich die

Hochlenker-Kawa an die Guzzi heran, ging teilweise auch vorbei an der Guzzi, blieb es aber nie. Natürlich spielte auch mit hinein, wer gerade auf dem Hobel sass. Im Guzzi-Team war Bernd Fohne für die Bestzeiten verantwortlich und August Martmann für die Runden, und bei Niels und Susanne Paulsen verhielt es sich ähnlich. Bei beiden klappte das Teamplay perfekt, aber nach Rennhälfte kam die Kawa nicht mehr vorbei an der HSM-Guzzi – erst in einem Finale furioso bissen die Paulsens sich auf weniger als eine Minute heran, mussten aber den Sieg Martmann/Fohne überlassen. Das Katz-und Maus-Spiel wiederholte sich um Platz 3: Kai Körner und Andreas Trappe kamen immer wieder an die Guzzi-Kollegen KR Boos/Stefan Nerge heran, im Ziel fehlte eine Minute aufs Treppchen. Souveräner war da der 5. Klassenplatz für ex-Sieger Joachim Losbuhr und 4h-Neuling Michael Lange vor den BMW-Kollegen Andreas Bongard/Jörg Enders und der



heldenhaften Königswellen-Mannschaft von Uwe Mengel und Stefan Schaum.

Man sollte meinen, die TTF2 der SuperclassiX sei wie geschaffen für second-Hand-CBR600, aber auch heuer war die F2 mal wieder fest im Zweizylinder-Griff. Spätestens als Lutz Juhrig seine 900 SS nicht mehr schalten konnte und die 748 zur Abnahme schob, war das Zeitalter der kleinen Vierventiler in der 4h Endurance angebrochen. Denn auch der ehedem in der Wolle gefärbte Guzzista Steffen Werner hat jetzt eine Ducatimütze auf dem Kopf und eine 748 unterm Po. Beide fühlen sich ganz wohl miteianander, und mit traumwandlerischer Sicherheit fuhr das Dalmühle-Team Steffen Werner (748) und Sven Kessler (900 SS) zum Sieg der TT F2 vor den beiden 900 SS-Kämpen Jürgen Lösch/Jörg Gellern, den Capelli Belli 50+ (gibt´s auch andere Capelli Belli?) mit Robert Bomhauer/Lutz Juhrig und  der Scuderia Espresso auf Platz 4 - inzwischen auch

komplett auf Ducati umgestiegen -  von Frank Blättner und Benedikt Meyer. Keine CBR 600? Doch eine, ein wenig abgeschlagen: Das Hörnchen2-Team mit Dagny Kraas und Jan Bauer, die ganz offensichtlich unter der Mindermotorisierung im Vergleich zu ihren Normalobikes litten.

Tatsächlich sind kleine Bikes so gar nicht im Trend. Sowohl in der TTF2 als auch in der ClassiX stellten sich nur jeweils zwei Bewerber derDistanz, nachdem das F3-Team der Büsen-Brüder Max und Till mangels Zündfunken erst gar nicht zum Start vorrollen konnte. Dabei zeigten zumindest die Klassensieger den dicken Fische ganz ordentlich die Zähne: das Team Paulus von Ted Hanappel und Ynke Piersma hätte mit der Guzzi V75 auch in der Big ClassiX mitgekämpft und steckte so nur die Wanderdünen in die Tasche in die Tasche, bei denen sich Claudia immerhin über eine solide Steigerung gegenüber dem Vorjahr



freuen durfte. Und in der TTF3 wechselte die Führung so oft wie in keiner anderen Klasse: Erst in der letzten Stunde bauten Thomas Tippelt und Bruno Arzner mit ihrer FZR 400 den Vorsprung gegenüber Uwe Stroh und Philipp Kunz aus, die zuvor die 400er Nase vorne hatten. Aber wen wundert´s:  Das Siegerteam war auf Suzuki GSX 1100 gesetzt und erst nach deren Ende auf die kleine FZR gewechselt. Die hatte Thomas nur zur Reserve dabei, Bruno hatte von so was noch nie gehört, fand dann aber doch noch so viel Freude an der Leichtigkeit des 400er-Seins, dass das TT-Team auf Platz 9 im Gesamtklassement landete.

ERGEBNISSE:

Ergebnis nach 1 Stunde

Ergebnis nach 2 Stunden

Ergebnis nach 3 Stunden

Ergebnis nach 4 Stunden
Ergebnis Classic Endurance
Ergebnis SuperclassiX Endurance
 

Fotos vom Classic & SuperclassiX Endurance :

www.teamfotograf.de