Bericht Lauf 1, 4 h Endurance Oschersleben  23./24. April 2016


Das hätte noch am Tag vor dem Auftakt zur Classic Endurance Saison am letzten Aprilwochenende in Oschersleben kaum jemand für möglich gehalten, aber es ist wahr: Der größte Teil des 4 Stunden Classic Marathons spielte sich unter blauem Himmel ab. Wahr ist aber auch, dass der April sich keine einzige Kapriole verkniff:  Schnee, Regen, Hagel . alles dabei: „Das ist mir noch nie passiert, ich bin in eine weiße Wand reingefahren“, erzählte Katana Big Classiker Andreas Meyer, „da bin ich erst mal an die Box gefahren“: Aber jede einzelne Spuk war schnell vorbei, und jedesmal trocknete die Bahn unter Sonne und Wind atemberaubend schnell.

Dabei half aber auch das Safety Car. Denn bei jedem Schauer (welcher Substanz auch immer) musste das Führungsfahrzeug raus und das Feld einbremsen, bis Havarist und Motorrad geborgen waren. Und wenn das gelbe Licht erlosch, war die Strecke auch schon fast wieder trocken. Mit Bewegung und Funktions-Dessous konnten die



Fahrer sich passabel warm halten, aber die Boxencrews surften vier Stunden lang eng an der Grenze zur Grippe.

Umfassende Reparaturen waren da schwierig – aber in den meisten Fällen ohnehin vergebene Liebesmüh gewesen. Das betraf diesmal insbesondere die TTF1, und überwiegend ehemalige Sieger des Rennens. Das erste Aus gab es schon in der ersten Runde: Franz Tröster konnte nach einem Bodycheck in der ersten Kurve gleich seine Kawa ZXR 750 an die Box fahren, Co Jörg Herold schlitterte beim ersten Schauer ins Aus und verursachte so die erste Safety Car Phase. Wenige Runden später ereilte es auch ex-Sieger Christian Ganter, ebenfalls TT F1, und seine Honda RC 30 – was das Komplett-Aus des one-bike-Teams bedeutete.

Die Sieger des Vorjahres, Jens Mozar und Christian Gülzow, traf der Technik-Teufel ebenfalls: In nahezu einer Stunde Arbeit flickte die Mannschaft den Kühler der ZXR 750, bevor das Team „keep the faith“ wieder ins Rennen gehen konnte und nicht nur knapp die Mindestdistanz schaffte, sondern auch Platz 3 der TT F1. Die F1-Zweitplatzierten, Jörg Ender und Ansgar Tönnessen, hatten ebenfalls ihren Stress an der Box – der Motor nässte,  da guckt man besser schon mal unterm Monocoque der RC 30 nach. Nix nachzugucken hatte hingegen ausgerechnet das Team mit den beiden Diven Ducati 888 (mit Fritz Finke) und Aprilia RSV Mille (Reinhard Korfmacher). Ohne Zicken zündeten sich beide Twins locker, vorbei an allen verreckten oder invaliden Fours, zum Klassensieg mit 14 Runden Vorsprung .



Auch in der TTf2, mit 12 Startern die größte Division am Start, holten die Fours sich eine fette Watschen ab. Zur Entschuldigung muss jedoch angeführt werden , dass sie diese vom JBS Pantah Endurance Team mit Jörg Beisel, Erik Madsen und ihrer Ducati 900 verpasst bekamen, die sich in über zehn Jahren (oder 20?) so eingespielt haben, dass sie auch Le Mans machen könnten, wenn es denn da eine TF2 gäbe.... 4 Sekunden weniger pro Runde und 3 Runden mehr auf die Distanz schafften sie als das JJ endurance Team mit Jörg Gellern und Jürgen Lösch, die ihrerseits erst im Finale die Familie Paulsen, Susanne und Niels, mit ihren Reserve-CBR 600, um 7 Sekunden distanzieren konnten.

Damit waren Susanne und Niels auch gleich bestes (und einziges) Vierzylinder-Team am Start in der TTF2, die ursprünglich als CBR600-Karpfenteich gedacht war und auch so gelebt wurde. Ab Platz 4 Twins, soweit das Auge reicht –

und Minderheitenschutz allein für die ZXR 400 von Wim van Middelaar, der mit Co  Jan Eybergen (900 SS) Rang 8 holte, vor den Twin-Teams Capelli Belli 50 +, Il Grigio und tip top Endurance mit ihren raren Honda Bros. Zugpferd für die TT2 spielte neben den Top 3 der Klasse aber auch das Team von Dalmühle Motorradteile. Steffen Werner (Guzzi 1100) und Sven Kessler (900 SS) fuhren sich tapfer auf den wärmsten Platz neben dem Treppchen und durften am Ende stolz sein, es noch in die Top 10 geschafft zu haben - mit 4 Runden Vorsprung vor Scuderia Espresso (Ducati 900),  Bongard Racing (BMW R 100S) und dem BEWI Team (Moto Guzzi) auf den Plätzen 4 – 7.

Mochten die Twins sich auch noch so wacker schlagen und die TTF1 sich noch so dezimieren – der Sieg des Rennens war jedoch klare Vierzylinderangelegenheit. Endlich mal spielte die TT Open erwartungsgemäß ihre Power aus: Ronald Mathies und Simon Lange machten mit ihren



Honda CBR 900 RR das, wofür Honda sie gebaut hat, nämlich mit der Feuerklinge durchs Feld zu fahren:  123 Runden standen am Ende für das Oste-Team auf der Uhr, drei mehr als das nächstbestplatzierte Team, Kai Dühmke und Jürgen Mozar, die ebenfalls auf einer Feuerklinge ritten und sich immerhin den Ruhm der schnellsten Rennrunde (1:38,705min) ans Revers heften konnten.  Das Felgenfeuer-Team von Peter Meinhard und Rainer Platt musste die beiden CBR900-Team schon früh ziehen lassen und ausserplanmäßig an die Box. Rang 3 war ihnen dafür um so sicherer, denn H.L. Racing (Münch/Leye auf GPZ 1100), SRT-Racing (Trottenberg/Zimmer) und Atze Racing (Allrutz/Kiekhefel auf GSX-R 1100) konnten den vorgelegten Speed nicht ganz mitgehen.  Insbesondere für Thomas Zimmer war Durchhalten und Ankommen aber schon ein toller Erfolg – mit geprelltem Knöchel (nach Crash am Samstag) kommt man nämlich nur schlecht in den Stiefel und ziemlich beschwerlich aufs Motorrad...

War der Sieg des Oste-Teams in der SuperclassiX Endurance schon ziemlich eindeutig, so galt dies noch mehr für die Sieger bei den 18 Zoll-Klassikern. Frisch erholt und erfolgsgestählt vom EU Classic Endurance–Lauf aus Paul Ricard zurück, ließen Stefan Nerge und KR Boos mit ihren beiden „German Guzzi Classic Racing Team“-Mischern erst gar niemanden in ihre Nähe. Vom Start weg stoben sie mit den 17 Zöllern davon du hatten am Ende auch nur zwei Runden weniger zurückgelegt als als das in der Endurance-Wolle gefärbte JBS-Team mit ihrer 900 SS. Für den Guzzi-Doppelsieg bei den Big ClassiX sorgte das Team RASERITA mit Patrick Gleim/Andreas Baumgarten mit sorgenfreiem (wenn man das bei dem Wetter sagen kann) Ritt, aber nicht annähernd so fixen Rundenzeiten: Fünf Runden fehlten am Schluss, eine weitere dem Team Motobox auf Platz 3: Achim Steinmacher mit der BMW verewigte sich mit der schnellsten 18 Zoll-Zeit, Hans Joachim Deiss hielt ihm mit der Rickmann-Kawa den Rücken frei.



Platz 4 der Big ClassiX ging an das Kawa/TR1-Team von Andreas Heller und Rainer Seidel, das ACR Guzzi-Team mit Arend Hegeler und Berthold Oberkönig (Pantah) holte Rang 5 vor den TT-Suzukis von Thomas Tippelt und Andreas Meyer, die für die Zeit des Schneegestöbers pausiert hatten.

Die 750er Klasse hielt da ganz schön kräftig mit – vor allem in Person des Silent Hektik Racing Teams. So silent wie möglich und so hektisch wie nötig fuhren Sascha Pfautsch und Frank Leicht auf Guzzi V75 auf Big-Guzzi-Level und acht Runden weiter als das niederländische Team Paulus mit Ted Hanappel/Ynke Piersma auf ihren neu aufgebauten Voll-Alu-Guzzis, von denen leider nur eine das Ziel sah. Die „Wanderdünen“ verabschiedeten ihre kleine Guzzi mit Rang 3 bei den ClassiX – die 900 SS steht bereits in den Startlöchern.

Das Siegerteam der ClassiX Open formierte sich erst am Voraband: Für den Fall, dass die Laverda nicht beizeiten fertig werden sollte (soll ja vorkommen...), hatten die Molinaris Henning Stoppel mit der Yamaha XS 650 mitgebracht – und waren am Ende heilfroh., noch switchen zu können – auch wenn Henning sich hinten (immerhin auf Platz 35 in der Startaufstellung) anstellen musste. Mit Andreas Wagner-Wischhoff hatte das Team  immerhin einen ex-Sieger dabei - und Henning schlug sich bei seinem ersten Langstreckenrennen topp. Zum Sieg reichte es aber nur knapp - mit weniger als einer Minute Vorsprung, denn die Scuderia Espresso II (je ein Espresso für Kai Körner und Jürgen Schleimer, beide Guzzi Lemans) blieb ihnen immer dicht auf dem Pelz. Eigentlich hätten hier die BMWs von Joachim Losbuhr und Gerhard Wellmann noch für ein bisschen mehr Aufruhr im Feld sorgen können – doch stattdessen sorgte Joachim (ausgerechnet zusammen mit Andreas schon mal Regenrennen-Sieger)  für zwei verbogene BMWs.



Platz 3 fiel damit an das gemischte Bevel-Belt-Doppel von Uwe Hasler auf der Königswelle und Helmut Wüst auf der Pantah, deren Ducati sauber über die Distanz liefen und am Ende (fast) kerngesund ins Ziel kamen, was im Falle von Uwes KöWe ja nicht selbstverständlich ist: Auch jeder Erfolg ist eben relativ.

Wir haben ja schon so einige April- und Oktober-Endurances gesehen und so allerhand Wetterfährnisse mitgemacht, aber das hier war besonders – und deswegen um so beachtlicher, als die Ausfälle sich in Grenzen hielten und die schlimmsten Befürchtungen ins Leere laufen ließen, was das Umdenhals-Fallen am Ende in der Boxengasse besonders lebhaft ausfallen ließ. Beides zusammengenommen nehmen wir als Veranstalter gerne als Beleg dafür, dass nicht nur das fahrerische, sondern auch das menschliche Niveau außerordentlich sind. Danke dafür! Wer will, kann das wiederholen  - mit Glück sogar schon bei Lauf 2 der Classic Endurance Championship Ende Juli in Chambley, indem man sich einen Platz auf der Warteliste sichert bei Claudia@guzzi-mz-training.info.


ERGEBNISSE:

Ergebnis nach 1,5 Stunden

Ergebnis nach 3 Stunden

Ergebnis nach 4 Stunden nach Klassen
Gesamtergebnis nach 4 Stunden
 

Fotos vom Event :

www.teamfotograf.de

http://www.joerg-kloeppner.de/