Classic Endurance - Bericht German TT  9. - 12. Mai 2013

Das verflixte 13. Jahr

Erstens kommt es anders, und zweitens, als man denkt: Erstmals starteten die Classic Enduristen mit internationalem Lorbeer in der eigenen Division der „Premium ClassiX“ – doch ausgerechnet diese Teams hatten dieses Mal mit der Entscheidung um den Gesamtsieg gar nichts zu tun. Stattdessen siegte ein Team aus der eigens für nicht besonders gepimpte Bikes geschaffenen „Big ClassiX“ – und noch schöner: ein Team , das es am Vortag des Rennen in dieser Form noch gar nicht gab.

Bei beinahe bestem Wetter erfolgte der Le Mans-Start

Alle kommen gut weg
Natürlich hätte alles anders laufen können, wenn die Umstände etwas andere gewesen wären. Doch die waren extra hart: Erst einmal Schmierseifenasphalt, als es noch leicht tröpfelte, und dann Sintflut, als sich der Himmel eiskalt über dem Bördekurs ausschüttete – Runde für Runde, Stunde für Stunde. Nach Bilderbuch verlief eigentlich nur der Start: Zwar drohten die Wolken, aber es hätte ja auch gut gehen können.

Ab geht die Reise über 4 Stunden

Planmäßig zogen die drei Premium Classix-Teams gleich von Anfang an davon: Vorneweg die von der Pole Position gestartete niederländische Paarung Jeroen Versteeg und Ron van Steenbergen mit ihrer herrlich aufgebauten Suzuki XR 69, die Runde für Runde dem German Endurance Team mit VorjahressiegerChristian Ganter, heuer zusammen mit Allrounder Ronaldo Matthies (Bakker-Honda) und Siegabonnent Ralf Wobker, diesmal verstärkt durch Jörg Dreisörner, auf und davonfuhren. Doch von planmäßigen Rennverlauf war schon bald nicht mehr die Rede: Eine Pace Car-Phase jagte andere – insgesamt sollten es fünf in den ersten neunzig Minuten werden.

Als der Regen kam
Doch so lange wartete das Oranje-Suzuki-Team gar nicht ab: Als es nach einer Stunde unwiderruflich pitschnass und bitterkalt war, rollten die Niederländer in die Box und überließen das Geschehen den anderen. Die Führung hatten sie da schon abgegeben: Die deutsch-schweizerische Swiss Connection mit Andreas Heller (Z 1000) und Rolf Fäh (CB 750) kam mit dem immer glitschiger

werdenden Geläuf am besten zurecht, ging an den Premium Classix-Teams vorbei und setzte sich an die Spitze, während hinter ihnen Wobker/Dreisörner und das Molinari Team mit Joachim Losbuhr (BMW) und Andreas Wagner-Wischoff (Pantah) im Clinch um Platz zwei lagen.Die beiden Molinaris harmonierten also bestens, dabei hatten sie erst zusammengespannt, nachdem die schnelle Laverda von Matthias Bothe, ursprünglich zusammengespannt mit Andreas Wagner-Wischhoff, im Training einen irreparablen Motorschaden erlitten hatte und Joachim Losbuhr so endlich in letzter Minute zu seinem Teampartner kam: BMW-Kollege Gerhard Wellmann, mit dem Losbuhr ursprünglich zusammen fahren wollte, hatte abgesagt, doch Losbuhr fuhr das Training unverzagt weiter und stand so zur Verfügung, als ausgerechnet der orangene Triple des Molinari Clans unpässlich wurde.

Aus für Favoriten
In sicherem Abstand, aber jederzeit in Reichweite des Führungsduos, hielten sich auf Platz drei Wobker/Dreisörner auf der ACR1-Kawa– bis der Vorderreifen unter seinen Grip-Erwartungen blieb und Jörg

Thorsten Schulze auf KöWe vor Stefan Nerge (Guzzi) und Rolf Fäh (Honda)

Eidgenössische Kurventechnik: Rolf Fäh vorbei an Stefan Felgner (TR1)

Dreisörner übel abging und schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht werden musste – tragisches Aus damit für Jörg, der seit dem ersten Art Motor Classic Endurance ohne Pause mit dabei ist. Auf diesem Wege beste Wünsche für eine baldige Genesung, Jörg! Doch dieser Ausfall war nicht der erste, und schon gar nicht der einzige: Als erste strich das Capelli Belli Team die Segel, nachdem sowohl Eckhart Struck seine Guzzi gleich zu Beginn und Manne Sieg in Runde acht seine BMW ins Aus gecrasht hatten, aber unverletzt blieben. Dann setzte August Martmann junior die HSM-Guzzi so derb neben die Strecke, dass an eine Weiterfahrt nicht zu denken war, und kurz darauf verschwand die schnelle Ducati Pantah von Ducati Melle, die sich zu Beginn bereits bis auf Platz vier vorgebissen hatte, mit Motorschaden endgültig in der Box.

Die Stunde der Twins
Am besten schien dem Zweizylinderlager das Bördeschwimmen zu liegen: Als es zu träufeln begann, blies das österreichisch-schweizerische TR1-Team von Armin Lins und Guido Hufschmid zum Hallali auf die führenden Fours
und schaffte es sogar, in deren Phalanx einzubrechen: Platz drei war aber eindeutig zu schnell für die TR1: Nach dem Sturz durfte sich das Team hinten anstellen und sich langsam wieder vorbaggern, ohne je wieder soweit vorzukommen. Und als dann die schweizerisch-deutsche Paarung, die „ Swiss Connection“, Vierzylinder und Führung in Runde 48 wegwarf, lagen nach zwei Stunden und mithin zu Halbzeit gleich drei Zweizylinderteams in einer Runde in Front: Mit Pfautsch/Strohmann ausgerechnet eine der schwächsten Maschinen im Feld, vor dem frisch zusammengespannten Molinari-Team und den Endurance-Novizen Stefan Nerge und Karl Robert Boos (beide Guzzi), die sich auch munter an der Spitze abwechselten, bis nach drei Stunden die Molinaris die Spitze übernahmen und nicht mehr abgaben – immer aber die kleinen Guzzisi von Pfautsch/Strohmayer und die großen Guzzis von Nerge/Boos im Nacken, die sich ein hartes Rennen lieferten, bis kurz vor Rennende das V2 Pfausch/Maestro Team sich seines Namens als würdig erwies. Kaum Pause fürs Safety Car: 5 Einsätze in den ersten beiden Stunden

Andreas Insam übernimmt von Thorsten Schulze
Die drei Doppelsieger
Damit standen nicht nur die drei besten Teams, sondern auch gleich drei Divisionssieger fest: Mit eineinhalb Minuten Vorsprung holte das Molinari Team nicht nur den Gesamtsieg, sondern auch die „Big Classix“, während Pfautsch/Strohmayer den ClassiX-Maestro machten und Nerge/Boss in der Big ClassiX Open abräumten. Klarer Fall: In einem solchen Sintflut-Rennen spielte die Motorleistung eine untergeordnete Rolle. Was bei der diesjährigen Auflage zählte, war Sitzenbleiben und ohne Risiken durchzuschwimmen. Das taten auch die Besten der in diesem Jahr so unterlegenen Vierzylinderfraktion  – allen voran  das TT & Old School Schraubär-Team mit den Classic Superbike-Spezialisten Thomas Tippelt und Ingo Wrubel, die ab der zweiten Rennhälfte das ACR Family Team mit Susanne und Niels Paulsen knapp, aber sicher in Schach halten konnten –Platz zwei und drei in der Big ClassiX Open. Das war der Triumph des Draufbleibens: Sowohl das Swiss-Connection-Team als auch Motowippe Racing mit den beiden Königswellen-Treibern Andreas Insam/Torsten Schulze – Platz 4 und 5 der Big ClassiX – war zwar schneller,

büsste aber zuviel Zeit durch Sturz ein und konnte froh sein, ins Ziel zu kommen. Den Königswellen-Kollegen Uwe-Hasler und Helmut Wüst ging es nicht so gut: Nachdem Uwe Haslers bereits am Samstag auf den sicherheitshalber mitgeführten Reservemotor umbauen musste, stürzte erst Helmut Wüst und später auch noch Uwe Hasler aus dem Rennen.

Trikolore vor Union Jack
Auch die Briten-Fraktion schnitt nicht so gut wie erwartet ab: Klaus Müller und Bernd Schäfer mussten schon nach dem Training einpacken, nachdem ein Kerzenlochpfropfen im Zylinderkopf ihrer Rob North Triumph seinen Sitz verlassen und Unheil im Dreizylinderinnern angerichtet hatte. Da mussten es schon die Winkelmänner richten: Frank Weibgen und Udo Orths auf Triton und Bonneville aus dem Winkelmann-Stall kamen aber nie so gut in Fahrt wie im Vorjahr, als sie als Gesamtvierte und Klassensieger abschlossen. Doch gegen die „Maestros“ ihrer Kategorie kamen sie nicht an und sicherten sich so nur Rang 2 bei den ClassiX vor den „Wanderdühnen“, Claudia und Carsten Steinke auf ihrer „kleinen“ Moto Guzzi V65. Immerhin ließen die Union Jack-Träger den Vorjahressieger hinter sich: Ganter/Matthies trugen die Bakker-Honda förmlich ins Ziel und verzichteten ganz bewusst auf Angriff- der letzte Angriff in Imola hatte schon genug gekostet, nämlich zwei Honda-Motoren…

Boxenstopp beim TR1-Team Sei(del/Fel(gner)

Gar kein gutes Wochenende für Uwe Hasler und Helmut Wüst

Steinke auf ihrer „kleinen“ Moto Guzzi V65. Immerhin ließen die Union Jack-Träger den Vorjahressieger hinter sich: Ganter/Matthies trugen die Bakker-Honda förmlich ins Ziel und verzichteten ganz bewusst auf Angriff- der letzte Angriff in Imola hatte schon genug gekostet, nämlich zwei Honda-Motoren...

Rennen bis zum Schluss
So stand dann  - nach Ausfall der Konkurrenz – der Siegerpokal für das beste Premium Classix-Team mehr fürs Ankommen, und bei aller Vorsicht schafften es Ganter/Matthies, noch vor dem nach ihrem Sturz vorstürmenden „Knieschleifern“ , Lins/Hufschmid, auf ihren TR1 zu bleiben, die noch in der letzten Runde vorbei an der Scuderia Agricoltore, Berthold Oberkönig/Jürgen Wulfert auf Platz zwei der Big ClassiX Open vordroschen – sowas nennt man Rennen bis zum Schluss! Zwei Runden weniger absolvierte das A.C.R.-Uhu-Team, das sich mit Arend Hegelers „großen“ Guzzi und HP Mevs „kleiner“ Ducati Pantah wacker schlug und immerhin Rang 4 vor dem erstmals langstreckenrenneden Lars Lindenberg und Jan


Wellßow-Gollan auf ihren beiden classicBEARS-Pantahs, die nur in der Anfangsphase schneller waren.

Das Leben ist kein…
Nein, die diesjährige Auflage des Classic Endurance war weder ein Kindergeburtstag noch ein Ponyhof.  Sie war das das härteste und herausforderndste seit der ersten Ausgabe 1999 in Croix en Ternois. Wer vorher nachgerechnet hatte und dem Aberglauben seinen Tribut zollen wollte, hätte es vorher wissen können:  Es war das 13. Classic Endurance. Das 14. kann nur besser werden.
Endurance wie am Schnürchen: Wechsel bei den Molinaris Losbuhr/Wagner Wischhoff

Manfred Strohmayer schleppt Guido Hofschmied ins Ziel

 

 

... und ein fettes Willkommen beim Pfautsch-Maestro-Team

Dank ans Team: Big Classix Open-Sieger KR Boos und Stefan Nerge

 

 

Entspannte Minen und Feier(aband)bier beim Siegerteam

Als wär´s nicht nass genug: Nils Paulsen macht sie alle nass

 


Ergebnis Classic Endurance
Nach 1 Stunde
Nach 2 Stunden
Nach 3 Stunden
Nach 4 Stunden
Rennen nach Klassen