SuperclassiX Endurance - Bericht German TT  9. - 12. Mai 2013

 


Boxengasse statt Le Mans: Bald geht´s los

Doch noch Superwetter für SuperclassiX

Ein paar Herrschaften mögen sich ganz ordentlich geärgert haben. Der Start zum SuperclassiX Endurance 2013 aus der Boxengasse hinter dem Safety Car erschien wenig verlockend, und ein vierstündiges Frei- und Fahrtenschwimmen wie unmittelbar zuvor bei den Kolleginnen und Kollegen des Classic Endurance schon mal gar nicht. Als das im Training Drittplatzierte Urgixxer-Team von Thomas Hemmerling und Peter Born, die 50+-Fraktion der Capelli Belli und das norwegische 2K-Raceteam kurz vor dem Start ihre Nennung zurückzogen, ahnte keiner, dass kurz darauf die globale Erderwärmung in die Börde zurückkehren sollte – locker drei Viertel des Rennens spielten sich auf einer trockenen Arena-Piste ab, und das bedeutete ein spannendes Rennen mit einer Kombination aus eventspezifischen Konstanten und Überraschungen.

Prolog mit Truble
Aber schon der Trainingstag hielt so manchen Trubel bereit: Schwer zu sagen, wen es am härtesten traf: Das Wehlage-Team, dessen RC 30 erst kurz zuvor fertig, aber doch nicht so richtig fertig geworden war? Jedenfalls streckten sowohl die Maschine von Jörg Ender als auch die von Ansgar Tönnessen nach kurzer Laufzeit ihre Flügel, der Traum vom Endurance schien ausgeträumt. Oder die weitgereisten Norweger vom 2K-Racing-Team, die auf einmal nur noch ein Motorrad, nämlich die CBR 900 von Arne-Peter Grovdal zur Verfügung hatten, nachdem Kurt Breviks gute alte Exup einen irreparablen Wasserpumpenschaden erlitt? Oder das ambitioniert angetretene DB-Killer-Team mit Ex-Superbiker Hartmut Müller, das mit einer nach 20 Jahren frisch zusammengepuzzelten Honda VF 500 Hatz auf alle Ducati und Bimota dieser Erde, insbesondere die Zeugen Bimotas, machen wollte, aber auf einmal ohne seinen Starpiloten auskommen musste, weil dieser nach Hause beordert worden war?

Der Führende der ersten Runden: das Safety Car

Keine Angst vor Nass: Beisel/Schmidt auf JBS-Ducati

Echter Sportgeist
Wie so oft schon hielt das gutsortierte Art Motor-Fahrerlager mit seinem beispielhaften Sportsgeist in fast allen Fällen eine Lösung parat: Weil das Team Andreas Bongard/Stefan Gissler sich freiwillig zum one-bike-Team zurechtstutzte, hatten Ender und Tönnessen auf einmal eine klassenkonforme YZF zur Verfügung. Und Vikinger Brevik war selbst die Lösung – und zwar für Rainer Platt, dessen Bremsscheiben an seiner Yamaha unbrauchbar gebremst waren. Ersatz lässt sich Samstagabend auch in der Metropole Oschersleben nur schwer finden, kam aber in Form der passenden Scheiben an den Regenrädern der ohnehin momentan unbrauchbaren Brevik-FZR. Und VF-Restaurator Tobias Thorban, immer noch übermüdet von durchgeschraubten Nächten, fand in Laverdista Frank Grothe einen optimistisch gestimmten Ersatzfahrer. Den Optimismus brauchte der auch, denn die Honda lief immer noch nicht, als das Feld sich am Sonntagnachmittag in die Fluten stürzte.

Frisch gekrault ist halb gewonnen
Trotz des Wetters ließen es die Gentlemen gleich von Anfang an abgehen wie bei einem Sprintrennen: Peter Johannsen stürmte mit dem stärksten Bike des Feldes, einer GSX-R 1100-befeuerten Suzuki GS 1000, auf und davon, gefolgt von „keep the faith“ mit der 880er Kawa, dem RC30/ZXR-GespannTröster/Herold und erwartungsgemäß dem Vorjahressiegteam JBS-Endurance mit ihrer DLC-gestählten Ducati 900 SS. Als die erste Stunde ins Land gegangen war und die Wolkendecke sich bereits lichtete, hatten alle vier Teams ihre Führungskilometer absolviert, doch Peter Johannssen und Christian Brandenburg  mit ihren Big Block-Gixxern machten ordentlich Meter – und Ender/Tönnessen das Beste aus ihren Regenreifen und blieben in derselben Runde. Das Tröster-Team hingegen musste seine Strategie, ein Motorrad für Regen und eines trockenbereift parat zu haben, korrigieren, als ausgerechnet die slickbereifte Kawa ihren Auspuff verlor und alle Last auf dem Höcker der eigentlich für den Regen vorgesehenen RC30 ruhte.
Bimota vernascht Guzzi

Auf trickigem Geläuf: Berti Kiekhefel auf Suzi GSX-R 1100
Eine Seifenblase namens Kawasuki

Die nächste Illusionen platzte, als Christian Brandenburg neben der Streck ausrollte und die GPz-GSX-R keinen Mucks mehr machte. Die Schiebetour zurück zum bereits auf heissen Kohlen wartenden Teampartner dauerte 17 Minuten – und schwupps, war das JBS-Ducati –Team in Führung und musste sich erst einmal keine Sorgen machen, diese wegen eines Reifenwechsels zu verlieren – die Reifen für trockene Piste waren bereits seit dem ersten Fahrerwechsel drauf.

Von da an biss keine Maus den Faden von der Führungsposition der JBS-Ducatista ab, doch zu keinem Zeitpunkt war an ein Ausruhen zu denken – immer lauerten mehrere Teams in einründiger Schlagdistanz – allen voran Ender/Tönnessen auf der freundlichen YZF-Leihgabe, aber auch das Felgenfeuer-Team Peter Meinhardt/Rainer Platt mit ihren Vierzylindern, denen ausgerechnet die beiden Zweizylinder von Steffen Werner (Guzzi) und Sven Kessler (900SS) an den Fersen klebten. Und mit zunehmend

abtrocknender Strecke spülten sich die Zeugen Bimotas, Jürgen Luther und Olaf Zahn auf ihren Bimota db2, weiter nach vorne – bis auf Platz 6, bis sie noch in der letzten Stunde zurückfielen. Das Wochenende war für das Team aber auch allzu heftig gewesen:  das ganze Wochenende funktionierte ab dem Training nur mit stetigem Teilnachschub aus Berlin – erst Vergaserkleinigkeiten, dann noch am Rennsontagmorgen größere Sturzteile, nachdem Olaf sich noch im Warm Up abgelegt hatte.

Aufgeben ist keine Option
Aber Aufgeben war kein Thema, weder für die Bimotista noch für die vom Batterieverlust zurückgeworfenen 1852er. Als die Kawasuki von Christian Brandenburg erst mal wieder Saft hatte und Trockenreifen drauf waren, ließen beide Fahrer die Muskeln ihrer GSXR-Kraftpakete spielen und
Olaf Zahn, Zeuge Bimotas, vor Reifensparer Jörn Ender

Christian Brandenburg schob zu lange, fuhr dafür dann um so schneller

holten Runde für Runde mit den schnellsten Zeiten des Feldes auf. Bis auf Platz 10 waren sie nach der Schiebeeinlage zurückgefallen, doch von da an ging´s stetig voran: Nach 3 Stunden lagen sie schon wieder auf Platz 4, dann gingen sie vorbei am Team Wehlage Motorsport, das sich noch immer auf Regenreifen durchs Feld rubbelte, kurz drauf mussten die Felgenfeuer-Yamahas dran glauben und auf Platz 3 weichen. Stets hart am Gas, machten sich die notorischen Pechvögel  - im Vorjahr war ihnen in bequemer Führung der Motor geplatzt - doch die JBS-Endurance-Cracks hatten noch was zuzulegen und konnten so verhindern, dass die 1852-Widersacher ihnen näher als eine Runde aufs Ducatiheck rückte: weiter als Platz 2 sollte es nicht mehr nach vorne gehen.

JBS nach vier Stunden vorn
Als nach vier Stunden, Punkt 6 Uhr, abgewunken wurde, kreuzte die JBS-Ducati als erste die Ziellinie - eine kleine Ducati der Division TTF2 hatte einmal mehr allen erheblich stärkeren Vierzylindern der TT Open eine lange Nase gezeigt. Der gute alte Zahnriemen-Twin und seine wie im

Schlaf eingespielte Langstreckenfamilie funktionierten ohne Pause, Pech und Panne – aber ohne das Batteriepech und die verlorenen Runden wäre die Tröphae diesmal wohl erstmals ins Vierzylinderlager zum 1852 Racing Team übergewechselt – so kündigen sich Wachablösungen an… Mit einer Runde Vorsprung ging so nicht nur Platz 2 Gesamt, sondern auch die TT Open an Johannsen/Brandenburg vor den Felgenfeuer-Yamahas von Meinhardt/Platt, die sich uhrwerkgleich aus der Mitte des Feldes nach vorne sirrten. Platz 4 in der TT Open holten bei ihrem ersten 4 Stunden-Einsatz Thomas Zimmer (1127 GSX) und Jörg Allrutz (Bimota YB 8) vom Team Atze Racing, und den „Spätzündern“, Berthold Kiekhefel und Teddy Bartels auf der one-bike-GSX-R 1100. Die waren zwar schon im letzten Jahr dabei – aber nur fast: Teddy hatte sich im Training den Fuß lädiert und Berthold hatte insofern andere Sorgen als eine dicke Suzi um den Kurs zu wuchten. So gesehen, kamen sie in diesem Jahr schon mal vier

Sven Kessler, F1-Sieger, geht vorbei an Spätstarter Frank Grothe

Rainer Platt, mit Peter Meinhard 2. der TT Open

Stunden weite und ins Ziel, was nicht jedem vergönnt war: Das „keep the faith“-Team mischte 3 Stunden und 36 Minuten in der Spitzengruppe mit, dann hatte die ZXR 880, die als Ersatz für die FZR 1000 herhalten musste, die schon der Ersatz für die ursprünglich vorgesehene GPz 1100 war, keine Leistung mehr.

TT F1 für Guzzi und Duc vom Team Dalmühle
Auch in der TTF1 war zum Schluss ein Zweizylinderteam vorne: Das Team Dalmühle Motorradteile mit Guzzi-Steffen Werner und Ducatista Sven Kessler  agierte im Regen zunächst vorsichtig, kam dann aber richtig in Fahrt, zwischenzeitlich vor bis auf Rang 3 und zum Schluss vorbei an Ender/Tönnessen, deren Regenreifen rechtsseitig inzwischen zum Slick mutiert waren. Aber nicht nur ihrem Pneu gegenüber zeigten sie sich so ohne Gnade, sondern auch dem GI-BO-Team Andreas Bongard/Stefan Gissler, auf deren YZF sie ihnen fünf Runden abknöpften. F1-Platz 4 ging an die großartigen Strategen vom GT-Zweiradshop, Franz Tröster und Jörg Herold, die, in der zweiten Rennhälfte nur auf ein Motorrad gestellt waren. Mit Platz 5

Sowieso nur 1 bike, also auch kein Reifenwechsel: Jörg Ender und Ansgar Tönnessen

für die Scuderia Espresso, Frank Blättner und Kai Körner, schloss sich das Guzzi-Sandwich um die leistungs- wie auch reifenmäßig überlegenen Vierzylinder.

Kleine Duc ganz groß
Dass Leistung sich erst auf trockener Strecke wieder lohnt, zeigten einmal mehr Erik Madsen und Thomas Ilzhöfer mit dem schwächsten Motorrad im Feld. Mit ihrer 750 SS brachten sie das Kunststück fertig, im Nassen in einer Runde mit den Führenden zu bleiben. Als dann die Sonne wieder lachte, mussten sie wohl oder übel einen Vierzylinder nach dem anderen passieren lassen – aber nicht allzuviele: Platz 5 mit 5 Runden Rückstand stand am Ende als Ergebnis fest. Die einzigen Divisionsrivalen, das ZXR 400 Team mit Wim van Middelaar und Sipke Broersma, kamen nicht weit: Wim crashte im Nassen, und so konnte das Team die Freuden des schnellen Fahrens auf trockener Strecke nicht mehr genießen.

DB-Killer killte nicht
Eigentlich sollten in der TT F2 ja die 600er ein Heimspiel

haben, doch heuer wagte sich keine ins Endurance-Getümmel, die Gummiband-Ducs oder Bimotas mit deren Triebwerk machten das Rennen unter sich aus. An das JBS-Gesamtsieger-Team, das damit auch die Klasse gewann, kam aber erwartungsgemäß keiner heran. Platz 2 der Division war dafür um so heftiger umkämpft, wenn auch erst im Finale: Je mehr die Zeugen Bimotas zurückfielen, um so näher rückte das JJ Endurance-Team  mit Jörg Gellern und Jürgen Lösch mit ihren 900 SS, die es sogar schafften, sich zweimal zurückzurunden. Doch am Ende reichte das nicht ganz: Platz 3 der TTF2 damit für die beiden Js hinter den Bimotista, die nun wirklich gar keine Angst vor den DB-Killern haben mussten: Die VF 500 ging erst auf die Strecke, als das Rennen schon mehr als eine Stunde alt und der Asphalt trocken war. Dann aber spulte der mutig in Freibadtürkis lackierte Mini-V4 seine zweistündige Probefahrt  ohne nennenswerte Defekte ab   fürs erste freundlich gekillt von der selbsterwählten Gegnerschaft. Aber es gibt bestimmt ein nächstes Mal, und die Drohung bleibt ebenso bestimmt.

Endlich dabei – und angekommen: Berti freut sich

Die Sieger der TT F2 und TT F3

TT FX reihte sich ein und bleibt
Gar nicht zum Zuge kam die Experimentalklasse der TT FX, in der jüngeres Alteisen mal auf die 4 Stunden-Probe gestellt werden sollte. Doch beide genannten Teams schafften es nicht zum Start: Wolfgang Harbusch und seine RC 45 mangels Teampartner, das Pegasus Classic Team mit Ulf Baurochse und Thomas Wanner fuhr die SRAD-Suzi nur im Training und musste sie im Rennen wohl oder übel – Letzteres in Thomas´Fall – in der Box lassen. Wer Sorge vor Überfliegerqualitäten der jüngeren Youngtimer hatte, konnte aber beruhigt weiterfahren. Die SRAD ging gut, reihte sich aber brav ein. Sieht so aus, als dürften die Jungen auch im nächsten Jahr nach dem überarbeiteten Reglement mitspielen. Passt scho, oder?

  Die Sieger der TT F1

Die Sieger der TT Open

 

 

Friedliche Eintracht nach 4 Stunden: DB-Killer und DB

Ergebnis SuperclassiX Endurance
Nach 1 Stunde
Nach 2 Stunden
Nach 3 Stunden
Nach 4 Stunden
Rennen nach Klassen