Bericht Ledenon/F   26.- 30. März 2011




Kühle Dusche und blauer Himmel in Ledenon

Bei herrlichstem Provence-Wetter gingen am Freitagnachmittag die Fahrerlagerschranken des Circuit de Ledenon hoch, vor denen schon so einige Herrschaften relaxt warteten. Die meisten aber trafen erst spät ein, erst um zehn Uhr wanderten die letzten Boxenschlüssel über den Tisch. Der Samstagmorgen grüßte mit dichten Nebelschwaden, dennoch ging´s schon kurz nach der Fahrerbesprechung um Punkt neun mit den Instruktorengruppen los – Reinhard, Leonhard, Hans und Christian schnappten sich ihre Eleven und gönnten ihnen - mit im Schnitt vier Teilnehmern  pro Gruppe - eine quasi-sozusagen Exklusiv-Einweisung in die Ledenon-Ideallinie. Aber erst einmal war von der Linie nicht so viel zu sehen, die Schwaden lichteten sich erst im Laufe des Vormittags, und erst nach und nach kam das Feld auf Touren. Aber dann ordentlich: Matthias Schmid legte 1min 28 als Top-Zeit vor, und alle fassten sich an dem Kopf, als diese Zeit relativiert wurde durch gemunkelte 1:22 aus der  französischen Meisterschaft. Doch

Matthias´ Zeit blieb unangefochten, es folgten jedoch einige 1:30+-Kandidaten wie Olivier Brodard, Heinz Neuhaus, Fabian Romanens und Martin Kurzen, der sich von seiner neuen RSV 4 schwer begeistert zeigte: „Du denkst nur links, und schon biegt sie ab...“ Zügig dabei zeigten sich

auch Superbike-B-Champ Bernhard Neitzel, Dino-Motorradsport-Boss Dietmar Grahl und Pokal-Comebacker Franky Krieger. Bei manchen machte aber auch der Ton die Musik: Eine ganze Box voller Guzzi hatte Reinhard Bäcker aus Münster mitgebracht. Die tummelten sich zurückhaltend in aber auch der Ton die Musik: Eine ganze Box voller Guzzi hatte Reinhard Bäcker aus Münster mitgebracht. Die tummelten sich zurückhaltend in der Gruppe 4, ließen schon mal einen Turn aus mechanischen Gründen aus und ernteten doch reichlich bewunderndes Kopfnicken für ihre Supersportsaurier. War der Samstag noch nach anfänglichem Nebel in Sonnenschein übergegangen, so blieb der Himmel am Sonntag bleiern – und die Strecke (wie auch die Boxen - triefnass. Nicht besonders viele trauten sich auf die oder verlustierten sich auf der Strecke. Wer Longruns auf wets absolvieren wollte, hatte auf jeden Fall massig Zeit dazu: Die Gruppen 1 und 2 erhielten gemeinsame, aber dafür doppelte Fahrzeit, nur die Gruppe 3 blieb für sich allein, um allzu eklatante Geschwindigkeitsunterschiede zu vermeiden.

Zum Glück war und blieb der Sonntagsregen ein Ausreisser: Als am Montagmorgen direkt im Anschluss die Race Days losgingen, kam auch die Sonne wieder und blieb die nächsten Tage. Wer die Zeit hatte, tat es ihr gleich und verlängerte noch um einen Tag – und wurde nicht enttäuscht. Wer in der Gruppe 1 am Start war, brauchte allerdings Geduld, denn durch



diverse Schwachsinnsmannöver (z.B. Wheelie mit anschließendem Salto rückwärts eingangs der Boxengasse) kam es immer wieder zu Abbrüchen und in der Folge zu Zeitverlusten. Erst am Nachmittag waren die Gemüter gekühlt und der weitere Verlauf ohne Sorgenfalten. So gut – bzw. flott drauf – wie am Samstag waren die Racer jedoch nicht: Die schnellste Zeit (von Kim Philipp, DK) blieb erstmal in sicherer Entfernung von der 1:30er Marke. Aber von Tag zu Tag wurde es nicht nur wärmer, sondern auch schneller, was auch daran gelegen haben mag, dass die Gruppen nach Abzug der Weekend-Verlängerer wesentlich kleiner geworden waren. Kim Philipp blieb aber Schnellster, gefolgt von Marc De Clerc, Christoph Pudlo und einem hoch tiefenentspannten Marc Bornhäusser, dessen Kundschaft ihm so üppig bis in tiefste Südfrankreich gefolgt war, dass 3 Boxen kaum ausreichten, um diese unterzubringen. Die R6-Fraktion kontrollierte damit souverän die Ledenon-Achterbahn, erst an fünfter Stelle folgte Ferdi Schmarje mit der BMW als schnellster Tausender-Pilot. Auch hier war zu beobachten, dass die Zweizylinder rundenzeitenmäßig sich auf dem Rückzug befinden – S 1000 RR und RSV4 ziehen ihre besten Leute ab. Um so mehr aber muss man den Hut ziehen vor Zündern wie Michael Meissel, der mit einer Yamaha TRX munter unter den Top 40 mitmischte.

Am Dienstagabend schon stieg die Nervosität vor den Rennen fühlbar an – abzulesen an der wachsenden Schlange vor Peter Cliffords Suspension Service. Der Fahrwerksguru der British Superbike kurierte bis in die Dunkelheit hinein suboptimale Fahrwerke und musste die Letzten auf pre-breakfast time vertrösten. Die Nervosität vor den Rennen lag aber auch bei den Veranstaltern, die die drei Rennabbrüche bei den Supersportrennen im letzten Jahr noch gut in Erinnerung hatten und haben. Doch heuer lief alles mit äußerster Präzision und Disziplin ab – „fast schon langweilig“, wies es später aus dem Fahrerlager zu hören war.

Das größte Feld stellten die Supersportler. Marc De Clerq kam am besten weg und zog Marc Bornhäusser hinter sich her. Doch sobald sich eine Lücke zum Feld auftat, setzte sich Borni an die Spitze, wo es ihm so gut gefiel, dass er nach dem Fallen der Zielflagge noch eine Full-Speed-Ehrenunde drehte. Christoph Pudlo fuhr sicher auf Rang drei, während sich dahinter Christian Kengels vorbei an Christian Jägel und Daniel Arnoudt nach vorne auf Platz 4 drückte. Siebter und Held des Tages wurde Kalla Kallabis, der seine Teamkollegen Kristian Bodo und Frank Wehmeyer auf die Plätze 8 und 10 verwies. Als Neunter im Kabro-Sandwich lief Josh Schiller ein.


Die Sieger des Supersport-Rennens

Die Superbikes hatte Ferdi Schmarje mit seiner BMW klar in der Tasche. Von der Pole aus zog er dem Feld mit sichtbarerer Freude am Fahren davon, während hinter ihm Dietmar Grahl auf der RSV4 sich nicht so sicher wähnen durfte. Ruedi auf der Mauer, von Platz 6 gestartet, zog noch in der vorletzten Runde an ihm vorbei auf Platz zwei. Als Zweitbester BMW-Treiber holte sich Georg Günther Platz 4 vor Thomas Zingrich. Heinz Cordes verwies Karsten Issler auf Rang7 vor Sven Prohaska und Peter Nisters, und von 12 auf 10 stürmte Yvon Fuhrmann noch in die Top Ten.

Großes Glück beim Start der Thundersportler hatte Polesitter Robin Haesen auf seiner 1098. Statt  loszuschießen stotterte die Duc nur, Robin paddelte sich - zum Glück - untouchiert in Fahrt und jagte der Spitze hinterher. Doch da war – trotz der schnellsten Rundenzeiten - kein Drankommen., denn vorne hatte Chris Matthews mit seinem Streetfighter die Verfolger im Griff. Mit einem Rückspiegel hätte er noch mehr Spaß gehabt, denn da wechselten sich Keith Smith auf der Tuono, Yves Kauz auf der Monster und Peter Rehder auf der 1098 S munter ab, und gegen Rennende war auch Robin Haesen mittendrin. Doch Peter Rehder behielt die Nerven und holte um einen Hauch Platz zwei vor Robin Haesen und Keith Smith, während sich Yves Kauz mit Platz 5 begnügen musste. Miro Trivuncevic holte Platz 6 vor dem KTM-Doppel von Jörg Schäfer und Paul Wijgaerts.

In der Thundersport 2 gelang es TRX-Treiber Michael Meissel, Achim Weber auf der Hypermotard in Schach zu halten – die beiden Underdogs mischten so einige der Vierventiler auf und zeigten bewunderswerte fahrerische Klasse. Frank Bouwens mit der 1000 SS sicherte sich Platz 3 vor der zweiten TRX von Hans-Jürgen Adler, Martin Kropf auf der TT 750 und Christian Schmeink (KTM 620) als bestem Single-Treiber.

Nach den Rennen war bei den meisten die Luft raus. Im letzten Turn des Tages konnte sich austoben, wer wollte. Doch die meisten ließen´s gut sein. Und das war´s auch. Lag über dem Weekend  der  Schatten des verregneten Sonntags, so waren die den Race Days ein wolkenloses Event mit viel Fahrspaß. Erstaunlich bei alldem, für wieviele Zünder der Trip nach Ledenon noch immer ihr erster ist – sieht so aus, als würde die Ledenon-Fangemeinde von Jahr zu Jahr größer.


Die Sieger des Superbike-Rennens

Die Sieger des Thundersport-Rennens

ERGEBNISSE:
Ledenon Race Supersport
Ledenon Race Superbike
Ledenon Race Thundersport 1 und 2