SPEEDWEEK - Oschersleben  21. - 24. August 2014

7 Stunden mehr, aber 20 Minuten zu wenig

Das ZAB-Evers-Team und die Diva gaben alles, doch vor dem Ziel scheute die MV

Ein gutes Motorradrennen kann man sich wie ein langsam ansteigendes Crescendo vorstellen: Nach und nach fällt ein weiteres Instrument mit ein, bis das volle Klangerlebnis erreicht ist. So ein Crescendo erlebte auch das von Art Motor unterstützte ZAB-Evers-MV-Team bei dem 8-Stunden-Rennen der Speedweek. Bedauerlicherweise nur patzte die Tuba weniger als eine halbes Stunde vor dem Finale Furioso.


Daran soll´s nicht liegen: Segnung der MV bei den Glocken der Hölle

Das Training lief so, wie es laufen muss: Die Fahrer, noch keiner von ihnen so richtig zuhause auf der Diva, gewöhnten sich nach und nach. Und ein Wehwehchen nach dem anderen wurde geduldig und kompetent von der Technik-Crew um Dr. Schnelle und Professor Loui wegoperiert: Chattering, Kupplung, Bremsen, Elektrik - alles wieder gut, als am Samstagmittag die MVF4RR strotzend vor Fitness auf dem 33. Startplatz stand, frisch und feierlich gesegnet beim Klang der Glocken der Hölle, „Hells Bells“ von ACDC. Doch schon beim Probestart drohte allen Beteiligten der Infarkt: Die MV kam wieder nicht vom Startplatz weg, wie schon im Vorjahr. Erst im zweiten Anlauf schaffte es Dirk Schnieders , die gegen das gefürchtete Rutschen sehr straff eingestellte Kupplung richtig zu dosieren und hechtete dem Feld hinter. Der „echte“ Start klappte dafür um so besser: Dirk tobte mit der Meute davon, machte Runde für Runde einen oder mehrere Plätze gut.


Keine Angst vor Werksmaschinen. (Die können auch Pech haben.)
Kein Dutzend Runden später die nächste Herzattacke. Dirk kommt nicht, ist  eingangs Start/Ziel  gestürzt. Kann aber weiterfahren, kommt an die Box, berichtet von Null Grip und einer verhärten Gabel, übergibt nach einer Rundum-Inspektion an Christian Kengels. Der kommt gleich gut in Fahrt, fährt seinen Streifen und verkleinert nach und nach den eingestürzten Rückstand. Das gelingt auch Harry Evers, denn die Diva schnurrt jetzt, die Bridgestones haben Grip, und der Rückstand schmilzt, von 7 auf 2 Runden.

Notoperation: Kompletter Kupplungswechsel für die zweite Rennhälfte
Das Team schöpft Hoffnung, doch als nach dreieinhalb Stunden Dirk an die Box kommt, fällt die wieder in sich zusammen. Die Kupplung  tut´s nicht mehr. Damit kann man ein Training fahren, aber keine 5 Stunden. Doch zum Glück kann Loui Kupplung, hat er im Training ja geübt. Als er Schneeweißchens fast ungebrauchte Kupplung in die Diva implantiert, sitzt jeder Griff. Hier wird am offenen Herzen operiert, und sogar die Kollegen aus den Nachbarboxen kommen, um ihre Hilfe anzubieten und schirmen den OP-Saal ab. Zwanzig Minuten später geht Dirk wieder raus, jetzt jagt er den Rückstand.

Doktor S. ( im roten OP-Overall) guckt skeptisch, als Nummer 54 wieder lebt
Und das tut er erfolgreich. Die MV klingt und fährt grandios, und wenn sie das weiter so tut, schafft das Team die Distanz und kommt trotz zweier großer Pausen in Wertung ins Ziel. Aber erst mal steht das ganze Rennen auf der Kippe. Punkt fünf setzt der Regen ein, manche Teams stürzen erschreckt, doch die MV kommt brav an die Box, fasst ihre Regenreifen und mit Christian einen neuen Fahrer aus und kommt gut mit der bewässerten Fahrbahn (und den Bridgestone-Regenreifen sowieso)  zurecht. Doch als eine Suzuki um den ganzen Kurs einen Ölfilm auf den Regenfilm legt, wird noch mehr gestürzt, und das Pace Car kommt raus – oder vielmehr gleich zwei, wir sind ja bei einem WM-Lauf. Hinter denen wird  Runde um Runde gefahren, und weil der Regen aufgehört hat, trocknet sogar schon die Strecke. Alle bangen: Wird das Rennen wieder aufgenommen?

Punkt 5, wie von allen Apps versprochen, kam der Regen. Und dann das Öl.

Ja, es wird, und eine Stunde vor Schluss wird die Hatz ein zweites Mal eröffnet. Es geht wieder los, und Harry bleibt dran und draußen, fährt, bis der Regenreifen ein Slick ist und die Traktionskontrolle pausenlos kontrolliert. Zum letzten Turn übergibt er an Dirk. Doch der bleibt nur kurz draußen, kommt wieder rein, stellt den Motor ab und sagt “Unfahrbar, so sehr schüttelt der Motor“. Tatsächlich klackert´s aus dem tiefsten Innern unschön. Es ist 23 Minuten vor Rennende. Das Team ist in der Wertung, und das ist seit der Halbzeit das Ziel: In Wertung ins Ziel kommen. Aber:  dafür muss die MV noch mal auf die Strecke, unter dem karierten Tuch hindurch. Doch es wird entschieden: Zu gefährlich für alle Beteiligten. Das war´s.

Lange spricht keiner oder nur leise, nur sehr langsam heben sich die Stimmen wieder. Der Katzenjammer sitzt tief. Erst Stunden später kommen alle in der Box zusammen, um die waidwunde Diva herum, die so schlecht gar nicht war, allen viel abverlangt, aber auch einiges geben hat. Und als aus der Box laut die Hells Bells läuten, steht es fest:  2015 greift das Team ZAB Evers wieder an. Mit der Diva, die 2014 schon mehr als 7 Stunden weiter gekommen ist als 2013.


Harry fuhr, bis der Regenreifen ein Slick war. Kurz darauf kam das Aus.