| Na, bittesehr: verflixt war das siebte Jahr des
Festival ITALIA überhaupt nicht. Ganz im Gegenteil: Die angekündigte
Tornadowarnung für den Freitag erwies sich als Luftblase, und
all diejenigen, die im Fahrerlager Mitleidsbekundungen per Handy
erhielten, weil sie vermeintlich im Regen kreisen mußten,
konnten ein erleichtertes "Ätsch" über das digitale
Netz senden - vorausgesetzt, sie waren bereits vom Donnerstags-Seich
getrocknet. Gute Voraussetzungen für gute Stimmung, in einem
Fahrerlager, das wir seit der letzten Speedweek selten so wohlgefüllt
gesehen haben.
Klare Festival-Angelegenheit also, Italo-Festspiele. Mit Akteuren
jedweder Couleur, von Donnerstag bis Sonntag changierend. Der
Donnerstag gehörte zu einem großen Teil der Rennstrecken-Neulingen,
die sich in zwei Perfections von insgesamt neun routinierten Instruktoren
jeweils ganztags in die Geheimnisse der Ideallinie einweihen ließen.
Am Freitag noch eine Perfection, doch da waren schon jede Menge
Rennteilnehmer ebenfalls auf der Bahn - in getrenntem Zeitfenster
natürlich. Und am Freitag bahnte sich auch schon die Flut
der Klassiker ihre Bahn. So viele waren es noch nie: Fast 100
Veteranen und Youngtimer (mit 98 Prozent Italo-Quote) rollten
heuer zum Festival. A Wahnsinn!
Und natürlich Italobikes ohne jedes Ende - bis kurz vorm
Hotel: Vom Poggipolini-Minibike (leider mit Zweitaktmotor) über
Guzzis im Siebziger-Jahre-Oufit bis hin zur Carbon-Über 999.
Monsters, nostalgische Morinis, eine Boxvoll Bimotas, elitär
vereinzelte MVs, immer mehr Aprilias, feuerrote wie schwarze Saturnos,
geheimnisvoll upgedatete 888er, 900 er mit Straßenkennzeichen,
glasvitrinenreife Königswellen und TT- F2-Juwelen. Oh dolce
Festival-Vita. Und auch die Gäste fehlten nicht: Honda, Triumph,
Yamaha, und wie sie alle heißen, waren nicht nur Zuschauer,
sondern auch Akteure in den Klassen, die übers Festival hinausreichen:
namentlich Sportbike Masters, Sound of Thunder, aber in Form zweier
Buells auch in der classicBEARS.
Vier Tage pulsierendes Leben beim Festival. Mit vino und formaggio
auf umlagerten Biertischgarnituren vor und in den Boxen, Stöberblicken
bei den Händlern, ehrgeizigen Runden im Training, unergründlichen
Teile- und Werkzeugbewegungen von Team zu Team, Nostalgie-Rock
bis Mitternacht, Vorstart-Start-Finish-Stakkato bei den Rennen,
aber auch Ambulanz-Einsätzen auf der Piste. Die Nachricht:
Alles wird gut, aber die Crashquote war leider höher als
im Vorjahr. Viel wurde gesprochen darüber, dass weniger mehr
sein kann. Reifen, Fahrwerke und Motorleistungen erlauben heute
eine Dynamik, die Besonnenheit erfordert. Oder freiwillge Selbstbeschränkung.
Stramme Achtzig-Zweiventil-PS tun´s doch auch zum Einstieg,
wie das ebenso stramme Wachtsum in der Zweiventilklasse zeigt.
Und das vollste Feld des Tages, das der classicBEARS, wurde ohne
einen Sturz abgewunken. Es geht doch, amici. Nächstes Jahr
beim Festival wollen wir uns wiedersehen. Oder schon vorher: Beim
BIKEtoberfest, wieder in Oschersleben: Vom 30. September bis 2.
Oktober.
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